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Das uneinlösbare Versprechen des ehemaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl nach der Wende zur Entwicklung der fünf neuen Bundesländer kulminierte im Begriff der „blühenden Landschaften“. Ich habe diesem Begriff einen heutigen ökologischen Gehalt hinzugefügt: glühende, fliehende, fließende … Landschaften sind in meinen Arbeiten mit Erde und Erdpigmenten durch den Hochdruck mit Holzlettern dominant lesbar. Im Gastatelier des Künstlerhauses Lauenburg, gefördert durch das Land Schleswig-Holstein, hatte ich die Möglichkeit in der Grafikwerkstatt großformatig zu drucken.
Im Stadtteil Cabanyal von Valencia gibt es aus Gründen städteplanerischer Spekulation etliche verlassene Häuser mit zugemauerten und verputzten Eingangstüren. Oft wurde in den frischen Putz das Datum des Verlassens eingeritzt. Diese Gewohnheit hat eine Parallele auf den Friedhöfen, wenn die Urne der Verstorbenen in die Mauernische gestellt ist, wird die Öffnung zugemauert, verputzt und dann mit dem Sterbedatum versehen. Dies Datum ist sichtbar, bis die endgültige Grabplatte davor gesetzt wird.
Ich habe Daten von solchen Türen im Viertel durch Frottage auf Leinwand übertragen und sie in meine Arbeiten mit Erde und Erdpigmenten einbezogen. Das Casa Cultural Excorchador, ein ehemaliges Schlachthaus, hat diese Arbeiten in einer Ausstellung gezeigt.
In einem Artist in Residence Aufenthalt der „Fondazione Richard e Uli Seewald“ im Tessin habe ich mich mit Frottage und Gyotaku* auseinandergesetzt. Ich wollte Spuren der Umgebung festhalten als rückwärts zu lesende Zeichen, die auf Vergangenes verweisen. Diese gesammelten Spuren aus dem früheren Wohn- und Arbeitsumfeld des Künstlerpaares, dem mittelalterlichen Bergort Ronco und der abgelegenen Künstlerkommune Fontana Martina sind in Arbeiten mit Erde eingefügt.
*japanische Kunstform reliefartige Oberflächen mit Tinte einzufärben und abzudrucken
In einem der Gastateliers im Schloss Plüschow, dem Künstlerhaus des Landes Mecklenburg, habe ich zum ersten Mal mit dem Material Erde als Farbstoff experimentiert. Ausgehend vom Romanzyklus „Jahrestage“ von Uwe Johnson habe ich Johnsons Neologismen zur Beschreibung von Landschaft in meinen Erdarbeiten gestalterisch bearbeitet. Anlässlich des 40. Todestages und des 90. Geburtstages von Johnson im Jahr 2024 wurde meine Installation im Literaturhaus Uwe Johnson in Klütz für sechs Monate in die Dauerausstellung über die „Jahrestage“ integriert.
Fünf BewohnerInnen aus der ersten Großraumsiedlung, der Reichsforschungssiedlung Haselhorst (1929 – 1935 erbaut) im Berliner Norden stellten sich für ein soziales Kunstprojekt zur Verfügung und ließen sich porträtieren. Die Porträtreihe hatte ich für den öffentlichen Raum geplant und sie sollte die Anonymisierung des Wohnens in diesem Viertel thematisieren. Die fünf originalen Porträts wurden aus Abfallfolie und Verpackungsmaterial erstellt und in einem Schmelzverfahren auf den Bildträger aufgebracht. Das Projekt entstand im Rahmen meines sechsmonatigen Artist in Residence Aufenthalts im Urban Nation Museum und wurde von der Stiftung Berliner Leben gefördert.